Ruhr Nachrichten (Dortmund) 25.6.1999

Hubert Burghardt beim Sommerkabarett

Kerl und Softie brechen Schweigen der Männer

(JG) Über manche Dinge sprechen Männer nicht gerne. Bei heiklen, intimen Themen ist Reden nur Silber. Und das sich in einer Skatrunde Männer ihre neuen Schuhe vorführen, ist genauso undenkbar wie, dass ihnen am Telefon, mehr zu entlocken ist als stenografische Kurzmitteilungen.
Kabarettist Hubert Burghardt bricht in seinem zweiten Soloprogramm "Das Schweigen der Männer", lästerte am Mittwoch beim Sommerkabarett im Fletch Bizzel offen über die Probleme, die Mann lieber nicht ausdiskutiert. Auch böse und zynisch und immer entwappnend offen karikiert Burghardt das eigene Geschlecht. Viel lockerer als in seinem ersten Solo wirkt der Kabarettist, schneller ist die Szenenfolge.
Und noch viel mehr schauspielerische Qualitäten hat dieses Programm, wenn Burghardt Typen, die Originale sind, aufmarschieren lässt. Der Rentner, den er über die modischen Unarten der jungen Männergeneration schimpfen lässt, könnte gut zu einer weiteren Ruhrgebiets-Kultfigur avancieren, pointiert charakterisiert ist der Macho, der an stillenden Müttern gescheitert ist. Mit Single-Männern, die sich hinter leeren Pizzaschachteln verschanzen, Mantafahrern mit Spaß an Sensationsvideos, Softies, die sich in Arbeitsgruppen "gewaltfreie Märchen" engagieren, und Ehemännern, deren größter Feind die Vergesslichkeit von Hochzeits- und Kennenlerntagen ist, macht Burghardt auf sehr unterhaltsame (und lehrreiche) Weise bekannt.
"Kleine Löwen haben es leichter als kleine Jungs", gesteht der Kabarettist. Hilflosigkeit im Bemühen, ein Kerl zu werden. Männer sind archaischer, lernen Frauen, "von Natur aus sind sie Grenzgänger, brauchen die Gefahr zum Leben", erklärt Burghardt, warum sich die Vertreter seines Geschlechts im Sportwagen mit dem Handy auf der linken Spur wohlfühlen.
Im Publikum saßen viel mehr Frauen als Männer - zum Zuhören könnten sie ja doch noch kommen, reden müssen sie bei Hubert Burghardt garantiert nicht.


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